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«Dem Menschen sind in seiner Vorstellung keine Grenzen
 
gesetzt ausser denen, die er sich selbst setzt
 
Richard F. Estermann

Mit Druck umgehen

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Die Leichtathletik- WM in London ist längst Geschichte. Sie hat aber erneut gezeigt: Auch Weltmeister und Weltrekordinhaber konnten nicht die von ihnen erwartete Leistung erbringen. Es geht deshalb nochmals um das Thema «Choking under pressure», also um ein Leistungsversagen unter Druck, das bei Grossanlässen immer wieder beobachtet wird. Athleten sprechen nicht gerne darüber, denn es geht um Versagensängste, Befürchtungen, Verkrampfungen. Doch Verdrängen bringt gar nichts.

Das Problem sitzt tief und lässt sich nicht in zwei Sätzen abhandeln. Deshalb traf ich einige Sportler persönlich zum Gespräch, nachdem ich aufgrund einer Kolumne zu diesem Thema viele Anrufe erhielt.

An einem Grossanlass wie der Olympiade oder einer WM gewinnt immer derjenige, dem es gelingt, am Wettkampftag unter den gegebenen Bedingungen und Voraussetzungen seine Höchstleistung zu erbringen. Das ist aber nur mit einer langfristigen und richtigen Vorbereitung möglich. Von besonderer Bedeutung ist dabei der mentale Aspekt, handelt es sich doch bei den erwähnten leistungshemmenden Mechanismen um eine reine «Kopfsache». Der vierfache Olympiasieger Mo Farah sagte in einem Interview nach seinem Sieg über 10'000m, er habe diesen Lauf im Voraus mehr als hundert Mal visualisiert. Visualisierung ist eine hervorragende Technik – es müssen aber dabei unbedingt einige Punkte beachtet werden, damit der gewünschte Erfolg eintritt. Auch das Simulieren von «Drucksituationen», Selbstgespräche u.a. helfen, mit einer ungewohnten Situation umzugehen und die Folgen eines «Choking under pressure» niedrig zu halten.

Schwinger Christian Stucki: Mental stärker

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Unspunnen-Schwinget 2017 in Interlaken. Schon Wochen vor dem Grossereignis wurde über mögliche Szenarien und über Favoriten spekuliert. Immer wieder wurde auch der 32-jährige Berner Christian Stucki genannt. Für den traditionsreichen und prestigeträchtigen Schwinget, der nur alle sechs Jahre stattfindet, war auch für mich der 1.98 Meter grosse und 150kg schwere Athlet absoluter Favorit.

Stucki galt in Schwingerkreisen schon lange als grosses Talent und er errang am Kilchberg-Schwinget 2008 seinen wichtigsten Sieg. Christian Stucki gilt als sympathischer, ruhiger und fairer Typ, hatte aber immer das Image eines «gutmütigen Riesen». Er packe seine Gegner zu sanft an, es fehle ihm an Kampfgeist, an Ehrgeiz und am notwendigen «Biss», wurde gesagt.
Dieses Jahr machte er aber mit beachtlichen Leistungen auf sich aufmerksam und als ich am Morgen des Festtages vor dem Fernseher sass und Christian Stucki beobachtete, war mir sofort klar: Etwas ist bei ihm anders geworden! Stucki wirkte ruhig, sehr konzentriert und entschlossen. Seine Körpersprache zeigte ein ganz anderes Bild, als man es von ihm gewohnt war und seine nachfolgenden Siege mit der Maximalnote 10 bestätigten dies.

Im Schlussgang trumpfte der Gigant nochmals gross auf und zeigte, dass er auch eine Minute vor Schluss noch in der Lage ist, einen gegnerischen Angriff erfolgreich zu parieren und den Wettkampf für sich zu entscheiden.

Was hat sich bei Stucki positiv geändert? Er ist explosiver und flinker geworden, technisch besser und mental stärker. Dank einem Mentaltrainer mutierte Stucki vom sanften Riesen zum «bösen Bären».

Valentino Rossi – Superstar!

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Diese Kolumne widme ich einem der seltenen Superstars, nämlich dem italienischen GP-Motorradrennfahrer Valentino Rossi. Er gehört mit neun Weltmeistertiteln – zusammen mit Giacomo Agostini – zu den erfolgreichsten Piloten aller Zeiten. 115 GP- Siege hat er bis dato nach Hause gefahren - ein einsamer Rekord! Valentino Rossi hat mit seinem Einsatz wie kein anderer dafür gesorgt, dass die Moto- GP- Weltmeisterschaft enorm an Bedeutung gewann. Aber er ist nicht nur ein exzellenter Rennfahrer, sondern auch eine faszinierende Person. Seine oft spektakuläre Fahrweise und sein publikums-wirksames, extrovertiertes Verhalten, machten ihn zum beliebtesten Sportler Italiens und in der ganzen Welt zum bewunderten Medienstar. Privat ist Rossi ein geselliger, unkomplizierter Star zum Anfassen, der auch Partys liebt und gerne die Freizeit mit Freunden verbringt.

Wenn 100'000 Besucher zu einem Motorrad-GP anreisen, kommt die Hälfte wegen Valentino Rossi, sagt man. Sie wollen den Yamaha- Fahrer mit der legendären Nr. 46 persönlich sehen und ihm zujubeln. Sie wollen sehen, wie der Mann mit dem Spitznamen „The Doctor“ lebt und kämpft. Und so, wie es sich für eine lebende Legende gehört, gibt Rossi niemals auf. Nach seinem schweren Sturz 2010 in Mugello, mit einem doppelten, offenen Schienbeinbruch, war er sechs Wochen später am Sachsenring wieder am Start und erreichte den vierten Platz!

Mit 18 Jahren gewann Rossi zum ersten Mal den GP der Niederlande in Assen. Einige seiner heutigen Herausforderer lagen damals noch fast in den Windeln! Heute, 20 Jahre später, gewinnt Rossi den gleichen GP zum zehnten Mal...

Mentale Stärke – Der Schlüssel zum Erfolg

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Unter diesen Titel stellte der österreichische Coach der Frauen- Nationalmannschaft (ÖFB), Dominik Thalhammer ihren Sieg an der Fussball-EM über die favorisierten Spanierinnen im Elfmeterschiessen. Die ÖFB- Frauen zeigten Nervenstärke, waren fokussiert und generell locker drauf. Beste Voraussetzungen für ein Penaltyschiessen!

Die Medien überschlugen sich anschliessend mit Lobeshymnen, wie: „Mit mentaler Stärke zur Sensation!“ Hauptgrund des unerwarteten Sieges sei das seit Jahren praktizierte mentale Training, sagte Coach Dominik Thalhammer und betonte: „Es ist genauso wichtig, wie das Training auf dem Platz!“ Man habe sich mit der Situation eines Penalty-Schiessens auseinandergesetzt und für jede Spielerin einen Plan erstellt, wie der Elfmeter geschossen werden soll...

Im Halbfinale gegen Dänemark funktionierte aber die Strategie des ÖFB beim erneuten Penaltyschiessen nicht mehr und das „Fussball-Märchen“ der Österreicherinnen fand ein abruptes Ende. Warum? Alles war anders: Der extreme Druck der Medien und der Öffentlichkeit, waren nach dem Überraschungserfolg gegen Spanien zu gross. Dazu kam die eigene, hohe Erwartungshaltung nach dem Motto: „Wir sind bereit für eine weitere Sensation!“ Die Entscheidung fiel eigentlich schon in der 13. Minute, als Puntigam einen Elfmeter verschoss. Grundsätzlich wäre das der Siegestreffer gewesen... Die Lockerheit ging damit definitiv verloren. Nervosität kam auf und vermehrt stellten sich Fehlpässe ein. Die Niederlage der ÖFB- Damen war letztlich ein klares Leistungsversagen, ein „Choking under pressure“. Mehr darüber in einer der nächsten Kolumnen.

Penaltyschiessen: Eine mentale Angelegenheit

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Kolumne "Kompass"

Portrait Richard Estermann

Beim FIFA Halbfinal im «Confed-Cup» zwischen Portugal und Chile, kam es nach 120 torlosen Minuten zum Elfmeterschiessen und Chiles Torwart hielt alle drei Schüsse! Dieses Ereignis zeigt: Viele Mannschaften sind spielerisch in etwa gleichwertig und so kommt es letztlich bei wichtigen Spielen unerwartet zum Penaltyschiessen.

Penaltyschiessen ist eine mentale Angelegenheit, die im Kopf entschieden wird. Oder wie der Volksmund sagt: Eine reine «Nervensache». Wie wäre es sonst möglich, dass oft Weltklassestürmer versagen und am gegnerischen Tor vorbeischiessen? Leider rechnen nur die wenigsten Spieler mit einem derartigen Ende und deshalb wird das Penaltyschiessen auch relativ wenig trainiert.

Was macht denn das Penaltyschiessen so schwierig? Es kann praktisch kaum unter realen Bedingungen trainiert werden, denn dafür benötigt man ein Stadion mit 30'000 Zuschauern. Adäquat dazu hohe Anforderungen: Die eigene Erwartungshaltung, diejenige der Fans, des Trainers und des persönlichen Umfeldes. Sie erzeugen beim Sportler einen gewaltigen psychischen Druck. Die Folgen sind allgemeine Nervosität, Ängste, Zweifel und körperliche Verkrampfungen. Und deren negative Wirkungen sind bekannt...

Für den Sportler gilt es, die Bedeutung des Ereignisses herunterzuschrauben und «Umweltfaktoren» wie Lärm etc. auszuschalten. Notwendig ist zudem eine 100-prozentige Fokussierung auf die Gegenwart, auf das Wesentliche, bei gleichzeitiger, absoluter Gelassenheit. Ein Widerspruch? Nein! Es gibt mentale Techniken, die jeder Trainer kennt, um die extremen Bedingungen eines Penaltyschiessens annähernd virtuell zu trainieren.